Rund 650 Teilnehmer bei Demonstration in Haselau. Hunderte Menschen aus der Region haben am Sonnabend auf dem Deich an der Deekenhörn ein sichtbares Zeichen gegen die Kohlekraftwerke auf der anderen Elbseite gesetzt. Allerdings kamen mit rund 650 Teilnehmern weniger Menschen als erwartet. Von Sebastian Kimstädt
Haselau/Haseldorf. Im Industriegebiet Bützfleth am anderen Elb-ufer gingen gerade die Lichter an, als die gut 650 Demonstranten mit Fackeln auf den Deich zogen. Auf einer Länge von mehr als 500 Metern bildeten sie auf der Deichkrone eine Lichterkette, die auch im Indus-triegebiet gegenüber gut zu sehen gewesen sein dürfte. Zuvor hatten an der Deekenhörn Kinder mehrere Hundert bunte Luftballons mit Protestpostkarten aufsteigen lassen. Mit den Aktionen setzten die Menschen in der Haseldorfer Marsch am Sonnabend ein sichtbares Zeichen gegen den Bau der drei Kohlekraftwerke in Stade. Nach dem Willen der Veranstalter hätte dieses Zeichen aber wohl noch ein wenig kraftvoller ausfallen können. Zwar zeigten sich die Organisatoren zum Abschluss mit der Protestkundgebung zufrieden. Das Ziel, 1000 Lichter gegen die Kraftwerke leuchten zu lassen, wurde jedoch verfehlt. Zu der Demonstration hatte ein breites Bündnis unter der Federführung der Bürgerinitiative „Haseldorfer Marsch“ eingeladen. Zu den Teilnehmern gehörten unter anderem die Landfrauen. Die Obstbauern, deren Obst durch Feinstaub aus den Kohlekraftwerken in Mitleidenschaft gezogen werden könnte, spendeten Äpfel. Unterstützt wurde der Protest auch von der Kirche und von-seiten der Politik. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Valerie Wilms sowie die Hetlinger Bürgermeisterin und CDU-Landtagsabgeordnete Barbara Ostmeier zweifelten in Grußadressen den Sinn der Kraftwerke an. Die beiden Pastoren Andreas Michael Petersen aus Haselau und Helmut Nagel aus Haseldorf wählten dem Datum des Reformationstages angemessen eine fantasievolle Form des Protestes. Sie machten sich darüber Gedanken, was wohl Martin Luther zu den Planungen in Stade gesagt hätte. Der Sprecher der Bürger-initiative, Niels-Peter Rühl, nannte in seiner Rede die Planungen in Stade „Wahnsinn“ und forderte von den Energiekonzernen, die Anträge für die Kraftwerke zurückzuziehen. Von der Politik verlangte er, schärfere Grenzwerte für Luftschadstoffe sowie die Beachtung eines Gutachtens vom Bundesumweltamt, wonach neue Kohlekraftwerke nicht notwendig seien. „Die befürchtete Stromlücke gibt es nicht“, sagte Niels-Peter Rühl. Weiterer Bericht und Kommentar auf der Seite 4. Bilder von der Veranstaltung finden Sie auf der Seite 8.