Politikfrust keine Chance geben
Portrait Sozialdemokrat Manfred Mörker will Tornescher für die SPD und ihre Themen vor Ort interessieren. Von Sylvia KaufmannTornesch. Eigentlich wundere er sich selber, dass er nicht schon viel früher SPD-Mitglied geworden sei, denn sein Herz schlage seit der Gymnasialzeit sozialdemokratisch, erzählt Manfred Mörker, seit 15. Juni Vorsitzender des SPD-Ortsvereins.
Und an ein Ereignis, das ihn sozialdemokratisch geprägt habe, erinnert sich der 55-Jährige, der in Münster geboren und in Hamburg aufgewachsen ist und aus einer christdemokratisch geprägten Familie stammt, noch genau: „Wir haben im Musikraum unseres Gymnasiums im Fernsehen Bundestagsdebatten zu den Ostverträgen verfolgt.“ Und obwohl ihn „Brandts neue Wege, Wehners inneres Feuer und Schmidts Intellekt“ faszinierten, trat Manfred Mörker erst 2008 der SPD bei, und zwar dem Ortsverein Tornesch. Zu dem Zeitpunkt wohnte der ehemalige kaufmännische Angestellte mit seiner Familie (verheiratet mit einer Yoga-Lehrerin und Vater eines zwölfjährigen Sohnes) seit zehn Jahren in Tornesch, war gerade Frührentner geworden, kannte aus der Nachbarschaft aktive SPD-Kommunalpolitiker und wollte nun nicht mehr nur sozialdemokratisch denken, sondern sich aktiv einbringen. „Ich habe mich übers Internet angemeldet und erst einmal eine ganze Weile nichts gehört. Dann wurde ich zu einer Mitgliederversammlung eingeladen und kurze Zeit später auf der Jahresversammlung zum Beisitzer in den Vorstand gewählt“, so Manfred Mörker. Von nun an gehörte er zu dem aktiven Kern des SPD-Ortsvereins, verteilte Primeln und Flugblätter für eine besser Bahnanbindung, half mit beim SPD- Kinderfest und stand bei der Bundes- und Landtagswahl an SPD-Infotischen.
Die Ergebnisse für die SPD bei der Bundes- und Landtagswahl enttäuschten ihn, entmutigten ihn aber nicht. Er forderte im Ortsverein einen intensiven Austausch über die Ursachen der Wahlniederlagen und mehr Dialog mit den Bürgern. Manfred Mörker lief damit nicht nur offene Türen ein. Doch er ließ nicht locker, in der ihm eigenen ruhigen Art Anregungen für eine Aktivierung der SPD-Arbeit vor Ort zu geben. Das Ergebnis: jeden zweiten Dienstag treffen sich die Sozialdemokraten um 20 Uhr beim Griechen an der Kirche zu einem Stammtisch.
Mitte des Jahres hatte Peter Daniel angekündigt, den Vorsitz des SPD-Ortsvereins in jüngere Hände übertragen zu wollen. Manfred Mörker, bürgerliches Mitglied der SPD-Fraktion im Finanzausschuss, war bereit und wurde am 15. Juni auf einer Mitgliederversammlung einstimmig gewählt.
Er wolle sich der Politikverdrossenheit stellen und neue Wege einschlagen, um Parteimitglieder wieder zu aktivieren und neue, vor allem jüngere Mitglieder für den aktuell 58 Mitglieder zählenden SPD-Ortsverein zu gewinnen. Mit mehr Öffentlichkeitsarbeit und SPD-Veranstaltungen, die sich mit kommunalpolitischen Themen beschäftigen, will er die Tornescher SPD für die Bevölkerung „öffnen“. Aktuell schreibt der Vorsitzende 70 Einladungen an Vereine und Verbände zum SPD-Sommerfest Ende August, zu dem interessierte Bürger herzlich willkommen sind.
Als Sozialdemokrat und Bürger von Tornesch sind für Manfred Mörker die zügige Verlagerung des Sportplatzes gekoppelt mit einer sozialverträglichen Bebauung des Friedlandstraßengeländes und die Optimierung der Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche vor Ort von Bedeutung.
Wer mit dem SPD-Vorsitzenden und Atomkraftgegner Mörker ins Gespräch kommen möchte, hat dazu auch an jedem Öffnungstag der Stadtbücherei die Möglichkeit. Dort liest er die Tageszeitungen der Region und vertieft sich in „Die Zeit“ und den „Spiegel“. Bücher zum Lesen, vor allem Krimis zum Entspannen, kauft sich der HSV-Fan und Griechenland-Freund allerdings lieber im Buchladen.
In den letzten 7 Tagen schon 14 mal gelesen - zuletzt am 31.08.2010 um 11:07.
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