„Ihr wart der Wahnsinn“
Von Thomas PöhlsenLebensweltmeister. Moorreger Schüler belegten 2. Platz bei bundesweitem Wettbewerb. Moorrege/Kiel. „Vize-Weltmeister“ können sich Jungs und Mädchen aus dem Schulzentrum Moorrege mit ihrem Trainer Tobias Führmann nennen. Erst im Finale des bundesweiten Wettbewerbs „Lebensweltmeister“ mussten sie sich geschlagen geben – und das auch noch sehr, sehr unglücklich. Wenige Sekunden vor Schluss kassierten sie als Team Tahiti beim Endspiel das entscheidende 0:1 gegen Pakistan, das Isolde-Kurz-Gymnasium aus Reutlingen.
Das Besondere an diesem Wettbewerb, der vom Entwicklungshilfeministerium gefördert wird und an dem 204 Schulen aus ganz Deutschland teilnahmen: Die Fußballspiele, bei denen in jeder Mannschaft Jungs und Mädchen antreten müssen, gehen nur mit 50 Prozent in die Wertung ein. Die andere Hälfte kommt aus der Bewertung einer Plakatwand.
Denn vor gut einem halben Jahr als der Wettbewerb startete, wurde den Moorregern ein Land zugelost, mit dem sich die Schüler im Sinne der Völkerverständigung zu beschäftigen hatten. „Das war ganz schön schwer“, berichtete Führmann während einer Feier für die erfolgreichen Schüler im Infozentrum. Einfach war es noch für die Schüler herauszufinden, wo Tahiti auf der Erdkugel liegt. Doch weder per Telefon noch per Mail konnte Kontakt geknüpft werden, um die Hauptaufgabe zu klären: Wie leben Kinder und Jugendliche auf Tahiti?
„Der Zufall hat uns dann geholfen“, erklärte der engagierte Pädagoge. Über die Zeitschrift „Geolino“ konnte der Kontakt zu einer ehemaligen Mitarbeiterin geknüpft werden, die heute auf Tahiti lebt. Doppeltes Glück war es, dass ihr Lebenspartner Lehrer ist. So arbeiteten die Moorreger Schüler Fragen aus, die an die Ex-Geolino-Mitarbeiterin gemailt und dann über ihren Freund von seinen Schülern auf Tahiti beantwortet wurden. Diese Informationen finden sich auf der Wandtafel wieder.
So fit die Fünft- bis Neuntklässer bei der Kontaktaufnahme waren, so gut spielten sie auch Fußball. Über die Vor- und Zwischenrunde qualifizierten sie sich für das Endturnier in Kiel, bei dem 32 Teams aus ganz Deutschland antraten. Dabei wurde der am Anfang nicht für möglich gehaltene 2. Platz erreicht.
Die sichtlich selbstbewussten Schüler nahmen das Lob der Erwachsenen entgegen. „Ihr wart der Wahnsinn“, steht für Tobias Führmann fest. Rektorin Karen Frers bescheinigte den Schülern „Begeisterung und Teamfähigkeit“. Und der Schulverbandsvorsteher Karl-Heinz Weinberg sagte: „Ihr könnt stolz auf Eure Leistung sein.“
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Fehlende Unterstützung. Die Vize-Weltmeister nutzten die Gelegenheit der Feier im Infozentrum, um Kritik an ihren Mitschülern zu üben. Niemand habe sie nach Kiel begleitet, um sie zu unterstützen, monierten die Haupt-, Real- und Regionalschüler. Für das Team der Uetersener Ludwig-Meyn-Schule, das für Neu-Kaledonien startete, machten drei Klassen in Kiel lautstark Stimmung. Das nützte den Gymnasiasten allerdings wenig: Im Viertelfinale wurden sie mit 2:1 nach Neun-Meter-Schießen von den Moorregern besiegt. (tp)
In den letzten 7 Tagen schon 4 mal gelesen - zuletzt am 31.08.2010 um 14:45.
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