Die Sensation von Pinneberg
Kristin Alheit stürzt im ersten Wahlgang Bürgermeister Nitt. Zum ersten Mal in seiner Geschichte bekommt Pinneberg eine Bürgermeisterin. Die Hamburger Juris-tin Kristin Alheit gewann die Bürgermeisterwahl in der Kreisstadt bereits im ersten Wahlgang deutlich vor Amtsinhaber Horst-Werner Nitt.Pinneberg (kaf). Sie kam, kämpfte und siegte. Nach fast fünf Monaten engagierten Wahlkampfes, in dem die Sozialdemokratin auch Unterstützung von Bundespolitikern bekam, konnte Kristin Alheit am Sonntag den Lohn der Strapazen einstreichen. 58,4 Prozent der Stimmen verbuchte die 40-Jährige bereits im ersten Wahlgang für sich. Amtsinhaber Horst-Werner Nitt (57) erhielt lediglich 29 Prozent und muss nach zwölf Jahren seinen Hut nehmen.
„Mit so einem tollen Ergebnis habe ich nicht gerechnet“, sagte Alheit am Wahlabend freudestrahlend und ergänzte: „Diesem Ergebnis fühle ich mich verpflichtet.“
Als Gründe für ihren Kantersieg führt die SPD-Politikerin einen konsequenten und auf ihre Person zugeschnittenen Wahlkampf an. Selbst Gegner attestieren ihr, eine gute Kampagne geführt zu haben. Doch die dürfte nicht der alleinige Grund für den Erfolg Alheits gewesen sein.
In der Endphase wurde der Bürgermeisterwahlkampf noch einmal richtig schmutzig. Offenbar aus dem Rathaus wurde eine Personalakte des von CDU und FDP unterstützten Kandidaten Kurt Schoula an eine Pinneberger Zeitung lanciert, die belegt, dass der ehemalige DDR-Bürger Schoula in der Frage seiner SED-Mitgliedschaft gelogen hatte. CDU und FDP ließen Schoula daraufhin fallen. Der ertappte Kandidat erstattete Anzeige gegen Unbekannt und rief damit die Kriminalpolizei auf den Plan, die drei Tage vor der Wahl, das Rathaus durchsuchte und unter anderem Bürgermeis-ter Horst-Werner Nitt zu den Vorgängen vernahm. Ob er die Akte an die Presse durchsteckte, ist nicht geklärt. Doch seine Rolle in der Affäre ist undurchsichtig.
Die Schlagzeilen der vergangenen Tage dürften dem Amtsinhaber daher geschadet haben. Offenbar sind viele Wähler aus dem bürgerlichen Lager nicht an die Wahlurne gegangen, während Alheit es vermochte, ihre Anhänger zu mobilisieren. Ein Indiz dafür könnte die geringe Wahlbeteiligung von knapp 35 Prozent sein.
Kristin Alheit misst der Affäre Schoula aber kein so deutliches Gewicht bei. „Ich hätte das auch so geschafft“, ist die Gewinnerin überzeugt.
Mit Alheit jubelten aber auch die Sozialdemokraten in der Kreisstadt und nicht nur dort. Als einer der ersten Gratulanten rief der Landesvorsitzende Ralf Stegner bei Alheit an und der Kreisvorsitzende, Hans-Helmut Birke, verspricht sich von dem Sieg in Pinneberg auch ein wenig Rückenwind für die Kommunalwahl am 25. Mai.
Kristin Alheit wird ihr Amt im Juni antreten und dann neben Christiane Küchenhof (SPD) aus Schenefeld und Brigitte Fronzek (SPD) aus Elmshorn die dritte Frau an der Spitze einer großen Stadt im Kreis Pinneberg sein. Kasten
In den letzten 7 Tagen schon 1 mal gelesen - zuletzt am 29.08.2010 um 08:50.
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